Naturreservat Eduardo Avaroa, Salar de Uyuni und meine erste Vulkanbesteigung

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Photo made by Gerald Stadlmair

Sonntags morgen sind Gerald und ich dann endlich nach meinem kleinen Augen-Zwischenfall in Tupiza angekommen um von dort aus die Tour in das Naturreservat Eduardo Avaroa und anschließend in die Salar de Uyuni zu starten! Am Mittwoch in der Früh ging es dann endlich für uns los! Wir und ein französisches Pärchen – Anna und Lolo – haben uns für eine etwas individuellere Tour entschieden, die 5 Tage und 4 Nächte dauern sollte! Anna und Lolo wollten nämlich noch einen Tag anhängen und den 6054 Meter hohen Vulkan Uturuncu besteigen! Auf diese Idee wären wir, dank der wander- und kletterfanatischen Franzosen nicht gekommen. Aber dieses Vorhaben kam mir gerade recht, den auch ich wollte unbedingt mal so hoch hinaus und mit erfahrenen Bergsteigern hab ich mir dass dann doch eher zugetraut als alleine! Den ganz unbedenklich ist das ganze anhand der Höhe nicht! Im allgemeinen hab ich kein Problem mit der Höhe, aber ab 3000-4000 Höhenmeter merkt man schon, dass jeder Schritt und das Atmen schwer fällt!

Tag 1: Haben wir hauptsächlich fast nur im Auto verbracht, den von Tupiza bis zum Eingang des Naturreservarts waren es doch gute 300 Kilometer auf nicht geraden guten Straßen! Die Natur um Tupiza ist atemberaubend schön und erinnert an den wilden Westen! Ich stelle mir so ähnlich auch die Gegend im Grand Canyon in den USA vor, nur mit ganz vielen Lamas und Vikunjas in freier Wildbahn! Nach der langen Anfahrt zu unserer ersten Unterkunft haben wir vier erst Mal ein Bierchen genossen, bis es dann endlich ein richtig gutes Abendessen von unserer Köchin Dalia gab! Nach dem Dinner gab es dann noch die Vorbesprechung für den darauffolgenden Tag, bezüglich der Vulkanbesteigung! Unser Fahrer Huber, hat uns unseren Guide vorgestellt der uns auf die über 6000 Höhenmeter bringen sollte! Erst hatte er nicht so gute Nachrichten für uns, den obwohl der Vulkan Uturuncu einer der am einfachsten zu besteigenden sechstausender in Bolivien ist, gab es ein kleines Problem. Es lag auf der Hälfte der Strecke noch Schnee, womit wir nicht gerechnet hatten! Für Anna, Lolo und mich war es an sich kein Problem da wir genügend warme Kleidung dabei hatten und ich war zum ersten Mal so richtig happy dass ich meine Daunenjacke und so viel gute Funktionskleidung dabei hatte. Zuvor hatte ich meinen doch recht vollen, schweren und großen Rucksack immer verflucht, aber nun wusste ich einfach warum mein Rucksack über die Hälfte größer ist als der von Gerald 😅 Nach reichlicher Überlegung von Gerald’s Seite aus und mit Ansprache vom Guide, konnten wir dann doch alle 4 der Tour zusagen! Die Steigeisen und Stöcke mussten wir uns alle ausleihen und Gerald hat eine dicke Jacke und Handschuhe vom Guide ausgeliehen bekommen! Die dicken Socken von Lolo und von mir eine Sonnenbrille und eine Mütze! Somit stand unserem Vorhaben nichts mehr im Weg!

Tag 2: Am Donnerstag ganz in der früh um 6:30 Uhr ging es dann auf den Weg an den Fuß des Uturuncus! Nach 1,5 stündiger Holperfahrt und auf ca. 5300 Höhenmeter angekommen, ging es für uns dann mit dem Auto, wegen des Schnees nicht weiter nach oben! Im Bestfall kann man nämlich bis auf 5800 Meter mit dem Auto fahren und dann die letzten, knapp 300 Meter zu Fuß hoch gehen! Für mich hat sich dann ein Höhenunterschied von rund 800 Meter immer noch nicht viel angehört, da man ja das Bergsteigen bei uns auch gewohnt ist! Tja mal super falsch gedacht, den eine Bergbesteigung ab dieser Höhe ist wirklich super anstrengend und ich konnte mir bis dato kein Bild davon machen, wie anstrengend es werden würde! Zuhause würde ich für so einen Aufstieg nämlich keine 5 Stunden oder länger brauchen! Also auf ins Abenteuer! Die ersten Meter kamen wir recht gut vorwärts, obwohl es sich für mich wirklich an fühlte also ob wir für 100 Meter eine gefühlte Ewigkeit brauchen! Alle paar Meter musste ich anhalten, tief durch atmen und auch im allgemeinen sehr auf meine Atmung achten, da die Luft sehr dünn ist! Ein bisschen mit Schwindel hatte ich auch zu kämpfen, da die Anstrengung auf den Körper doch enorm ist! Ab der Hälfte hieß es dann Steigeisen an und ab in den Schnee, was den Aufstieg nicht gerade einfacher gestaltet hat!

DCIM100GOPROGOPR0666.JPGIch befand mich dann kurz vor dem Gipfel im absoluten Adrenalin Rausch und im Reinhold Messner-Modus und da das Adrenalin so anschob war ich auch in Windeseile oben und hab die letzten Meter etwas zu schnell hinter mich gebracht! Glücklich und schnaufend, wie eine in die Jahre gekommene Dampflock, konnten wir dann stolz auf uns sein und ich hab mich in meinem Leben noch nie so glücklich gefühlt! Den nun weiß ich warum Sport so süchtig machen kann. Super stolz und zu Tränen gerührt über das geschaffte Ereignis wollte ich am liebsten noch mehr haben! Das erste Mal in meinem Leben hab ich mich ohne Drogen so glücklich gefühlt, als wäre ich auf der Weltbesten Droge die ich je konsumiert habe! (Den Vorgehenden Satz sollten Mama & Papa bitte ausblenden) 😅 Ein irres Gefühl!

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Nach einer kleinen Fotosession am Gipfel und einer Verschnaufpause ging es dann wieder an den 1,5 stündigen Abstieg der mir ab der Hälfte vorkam wie eine halbe Ewigkeit! Total unterzuckert, leer von Glückshormonen und in absoluten Erschöpfungszustand wankte ich, sowie auch Gerald mehr oder minder zum Auto! Dort angelangt kroch ich auf allen 4 ins Auto und zum ersten Mal hab ich mich gefühlt als ob ich vor Erschöpfung sterben müsste! Die Höhe hatte mir dann letzt endlich doch sehr zu schaffen gemacht! In einem Tag war ich so Glücklich gewesen und ein paar Stunden später fast zu Tode erschöpft! Leider folgte dann auf den Ausflug noch eine Migräne Attacke weil ich wohl einen Sonnenstich abbekommen habe! Ich dachte ich würde wirklich gleich Sterben müssen, den selbst meine absoluten Migräne Hammertabletten haben nicht mehr geholfen! Deswegen habe ich dann ab fünf Uhr nachmittags den Rest des Tages im Bett verbracht und versucht zu überleben. 😅

Tag 3: Ich wachte früh morgens entspannt und total ausgeruht aus, den genug geschlafen hatte ich ja bekommen! Nur musste ich leider feststellen, dass ich einen leichten Sonnenbrand im Gesicht hatte und meine Lippen total verbrannt und trocken waren. Aber das war nur das kleinere Übel, ich war einfach zu stolz auf mich um mich darüber aufzuregen.  Um 8:30 Uhr ging es dann in unserem Jeep weiter durch das Naturreservart und auf zu schönen Steinformationen, einem Canyon und unzähligen Lagunen wie der Laguna Blanca, Laguna Verde und der Laguna Colorada. An der einen Lagune sieht man noch unzählige Lamas und andere Tiere und an der anderen (Laguna Colorada) strecken dann auch schon hunderte Flamigos die Köpfe ins rote Wasser um kleine Krabben zu fischen. Drei verschiedene Flamingoarten konnte man an der Lagune sehen. Durch die im Wasser enthaltenen Mineralien und dem Plankton färbt sich dort das Wasser so rot. Ein Bad, kann und will man dort auch nicht nehmen, den der Wind pfeift dort schon recht heftig. Die Farben und die ganze Natur drumherum waren schon sehr beeindruckend.

Auf dem Weg machten wir Mittags noch ein kleines Picknick und am späten Nachmittag ging es dann auch für uns Richtung eines kleinen Dörfchens mitten im Naturreservart wo wir dann um ca. 20 Uhr sehnlichst unser Abendessen erwarteten und wir auch endlich eine Dusche (sogar mit Warmwasser) genießen konnten. Den nach fast 3 Tagen ohne zu duschen fühlt man sich schon etwas schmutzig, vor allem wenn man 2 Tage fast nur durch eine Wüstenregion fährt wo alles staubig ist und man angst haben muss, nach dem Besuch an einer Staublunge zu sterben 🙂 Aber das gehört nun mal alles zum Abenteuer dazu. Komfort kann man hier nämlich lange suchen.

Tag 4: Früh Morgens, mit einem guten Start in den Tag, da wir ein außerordentlich gutes Frühstück genossen (mit Pancakes, Kaffee, Marmelade und meiner geliebten dulce de leche) ging es dann für uns auch wieder ans Sachen packen und rein in den Jeep. Denn heute ging es endlich in Richtung Salar de Uyuni und heute Abend stand der Sonnenuntergang auf dem Programm. Vorbei an Geysiren, mit heißem Thermalbecken in dem wir dann natürlich ein kleines Bad genossen (das war nach dem anstrengendem Aufstieg und den doch recht frischen Temperaturen echt nötig) und auch dort noch ein wirklich gutes Mittagessen hatten, ging es dann für die nächsten 300 km immer richtung Norden in die nähe der Salar. Wir machten noch einen Zwischenstopp am Zugfriedhof, was meiner Meinung nach vor 5 Jahren schon nicht wirklich schön war und eher an Umweltverschmutzung grenzt. Gerald war super glücklich, um gute Fotos zu schießen. Ich hingegen wartet am Auto und ratschte mit Huber! 🙂 Danach ging es dann zu einem kurzen Zwischenstopp nach Uyuni um noch einige Dinge für das Abendessen und Frühstück zu organisieren. Es ist ein ziemlich witziges Gefühl gewesen, wieder in Uyuni zu sein. Den ab diesen Punkt kannte ich Bolivien von meiner Reise von vor 5 Jahren. Einmal wieder ein vertrautes Gefühl und als wir in Colchani ankammen, sah ich auch das Salzhotel in dem ich schon einmal war. Colchani ist ein kleiner – nennen wir es mal Ort – am Rande von der Salar de Uyuni. Beide Dörfchen sind nicht unbedingt schön und auch unsere Unterkunft für die letzte Nacht sollte nicht gerade erwähnenswert sein. Angepriesen wurde uns das ganze zuerst als „Salzhotel“! Weit gefehlt, denn unsere Herberge war eher ein Häuschen in dem ein paar Wende aus Salzsteinbrocken bestanden. Also einfach kein Vergleich zu dem Salzhotel das ich noch vom letzten Salar Besuch kenne. Aber gut, für die letzte Nacht tut es das auch noch, den diese Nacht sollte kurz werden. Dort angekommen hieß es dann ein letztes mal die Rucksäcke ins Schlafgemach packen, mit Tee und Keksen aufwärmen und dann ab zum Sonnenuntergang in die Salzwüste. Ein Gewitter mit ziemlich starkem Wind zog auch noch an uns vorbei als wir am Fotopoint auf den Sonnenuntergang warteten. Durch die Reflektion, dem weißen Salzboden und die Farben in dem die ganze Umgebung gehüllt war, sah es einfach atemberaubend aus. P1020753Ein wirklich schönes Erlebnis (Bilder sind übrigens alle ohne Filter)! 🙂 Nach Sonnenuntergang ging es dann wieder zurück ins „Salzhotel“ 😀 und ab zum Abendessen, was wirklich wieder gut und reichlich war. Und zur feier des Tages haben Dalia und Huber noch eine Flasche Rotwein für uns organisiert, die wir sechs zusammen mit dem Abendessen und mit guten Gesprächen genossen. Leider war der Abend nicht sehr lange, den um 4 Uhr in der früh hieß es dann schon wieder, raus aus den Federn und ab in die Salar zum Sterne, Planeten und Milchstraße anschauen. Und dank der nicht vorhandenen Lichtverschmutzung in der Salar war das wirklich ein einmalig schönes Erlebnis. Leider hatten wir keine so gute Kamera mit den benötigten Objektiven, geschweige den ein Stativ dabei um alles auf Bild fest zuhalten. Aber manche Momente sind einfach nur persönlich für einen bestimmt und dann gibt es auch wieder einen Grund ein drittes Mal zurück zukehren.

Tag 5: Startete wie erwähnt mitten in der Nacht um Sterne zu sehen und mit einem wunderschönen Sonnenaufgang. Leider hatte Huber wohl nicht all zu viel Lust weiter in die Salzwüste hinein zufahren, daher konnte man leider nicht ganz die spiegelartige Reflektion gut sehen, aber nichts deso trotz war es wirklich schön zu sehen. Unser Frühstück nahmen wir dann in der Salar, in einem kleinen Salzmuseum – wo dann mal wirklich alles aus Salz war – zu uns und Dalia hat sogar für uns in der Früh noch einen richtig guten Kuchen gebacken, an dem ich mich kaum statt essen konnte.  Na ja ich hatte das letzte Stück erwischt, nach ca. 4 Stücken und ich hätte selbstverständlich noch mehr essen können 😉 Nach dem Frühstück fuhren wir dann etwas weiter in die Salzwüste, um ein paar Fotos zu machen, aber da meine Geduld leider nicht sehr ausgeprägt ist, wenn etwas nicht gleich funktionierte, habe ich auch nicht die Massigen Fotos wie manch andere Traveler. Und um ehrlich zu sein, werde ich ja noch genug Fotos auf meiner Reise machen und  ich habe dann auch wirklich irgendwann mal wieder ein Grund um zurück zukehren. Den ich hatte ja schon Fotos vom letzen Trip und fand es dann nicht mehr ganz soo wichtig nochh mehr davon zu haben. Nach getaner Fotosession wurden wir dann noch ein letztes Mal von Dalia bekocht, bis es für uns hieß: Abschiednehmen in Uyuni. Den für Gerald und mich endete die Tour hier um 13 Uhr, da wir weiter nach La Paz fahren wollten. Anna und Lolo sind dann mit Dalia und Huber wieder zurück nach Tupiza (dem Ausgangspunkt der Tour) gefahren. Den Tag haben wir zwei auch noch gut rumgebracht. Der Bus nach La Paz fuhr leider erst Abends um 20:30 Uhr und so hatten wir genug Zeit, das Busticket zu organisieren. Auf dem Weg fanden wir ein wirklich sehr schönes und neues Kaffee – The Guardian coffeeshop – mit dem besten Kaffee der Stadt und einer wirklich sehr liebenswerten Besitzerin, namens Carla. Um uns die Wartezeit zu versüßen gab es für mich wirklcih den weltbesten Oreo-Maracuya-Cheescake im Glas und dazu noch einen Oreo-Frapuccino.

Einfach so lecker und auf alle Fälle ein Muss wenn man in Uyuni ist, den viel zu sehen gibt es ja ohnehin nicht. Danke an Carla, dass wir den Tag in deinem schönen Cafe verbringen durften und viel Erfolg mit deinem neu eröffnet Café zu dem ich jeder Zeit gerne wieder zurück komme, wenn ich in Uyuni bin. Zum Abschluss, gab es dann noch einen wirklich sagenhaft guten Burger mit gebackenen Süß- und normalen Kartoffelecken. Ein Traum und ein absoluter Schlemmertag würde ich sagen. Zum Bus und satt gefuttert haben wir uns um 20 Uhr aufgemacht um den Nachtbus nach La Paz zu nehmen….

 

Willst du alle Fotos von der Tour sehen, dann klick einfach hier!

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